Vom Tourenwagen ins Monocoque
Mein Weg in die Welt des Formel Renault
Seit 2010 ist Szilárd Varga motorsportlich unterwegs. Sein Weg führte vom getunten Fiat Punto über Mitsubishi Evo bis zum Formel Renault. Warum er sich von der Warnung eines Vereinskameraden "Wenn du einmal mit so etwas gefahren bist, steigst du nicht mehr um" nicht abschrecken ließ, erzählt er uns.
-
Veröffentlicht am12. Mai 2026
-
Text | Fotos:Szilárd Varga
Wenn ich auf meine motorsportliche Laufbahn zurückblicke, sehe ich nicht nur Fahrzeuge, Strecken und Werkzeuge – ich sehe eine stetige Entwicklung. Seit 2010 bin ich motorsportlich aktiv und durfte in dieser Zeit viel lernen, erleben und auch wieder verwerfen. Heute würde ich mich als versierten Fahrer bezeichnen, doch all meine Routine entstand bislang am Steuer von Rennfahrzeugen, die ihren Ursprung weitgehend in der Serie hatten.
Mein erstes Auto war – und ist bis heute – ein Fiat Punto. Ein Fahrzeug, das man im Alltag kaum wahrnimmt, wurde für mich zu einer Art rollendem Labor. Viele Abende in der Garage später stand dort kein gewöhnlicher Punto mehr, sondern ein kleines, kompromissloses Tracktool: Einschweißzelle, Competition-Fahrwerk, 6-Kolben-Bremsanlage und ein 1,6-Liter-8V-Turbomotor, der überraschend bissig zur Sache ging. Mit diesem Setup konnte ich auf dem Hockenheimring 2:05er-Rundenzeiten fahren – für viele nur eine Zahl, für mich damals ein Meilenstein.
Doch Motorsport bleibt selten bei einem Projekt stehen. Also kam später ein Mitsubishi Lancer EVO 9 Werksauto dazu – ein Fahrzeug, das in der Bergmeisterschaftsklasse F11 als absolut siegfähig gilt. Mit rund 200 km/h Höchstgeschwindigkeit war er für die Parabolika in Hockenheim eigentlich zu kurz übersetzt. Aber wie es im Motorsport eben ist: Man fährt, was man hat. Und mit 270er-Slicks rundum hatte der EVO eine Kurvenperformance, die mir damals wie eine neue Welt vorkam.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Die wirklich neue Welt sollte erst noch kommen.
Ein Umstieg mit Folgen: der Formel Renault
Im Jahr 2024 traf ich eine Entscheidung, die mein motorsportliches Verständnis nachhaltig verändern sollte: Ich kaufte mir einen Formel Renault. Ein Vereinskamerad warnte mich lachend: „Wenn du einmal mit so etwas gefahren bist, steigst du nicht mehr um.“ Ich tat seinen Spruch als typische Benzingespräche ab – aber er sollte recht behalten.
Alle Fahrzeuge, die ich bis dahin bewegt hatte, wogen zwischen 900 und 1300 Kilogramm und leisteten zwischen 270 und 500 PS. Beeindruckend, zweifellos. Doch sie hatten etwas gemeinsam: Sie waren schwerer und aerodynamisch vergleichsweise simpel. Ein Formel Renault ist das genaue Gegenteil. Auf einmal ging es nicht mehr nur um Motorleistung oder mechanischen Grip – es ging um Aerodynamik, Luftführung und Präzision. Es war, als müsste ich das Fahren neu erlernen.
Die Hürde vor dem eigentlichen Fahren
Ein Rennwagen wie ein Formel Renault ist kein Auto, das man einfach startet und fährt. Wie so oft im Rennsport waren es nicht die großen Defekte, die den Einsatz verzögerten, sondern die kleinen, aber entscheidenden Details: ein Sensor hier, ein Kabel dort, Einstellungen im Schaltprogramm, ein paar Anpassungen am Fahrwerk. Nichts Dramatisches – aber genug, um den großen Moment immer wieder um ein paar Wochen zu verschieben. Was jedoch feststand: Der erste echte Rollout sollte beim Pistenclub in Hockenheim stattfinden. Wo sonst? Die Heimstrecke, die vertraute Umgebung und ein Umfeld, das seit Jahren zuverlässig perfekte Rahmenbedingungen schafft.
Am 3. August 2025 war es endlich soweit. Die Bedingungen? Nun ja – eher Eifelwetter. Die Strecke war etwas zu feucht für Slicks, aber zu trocken für Regenreifen. Dazu kam, dass die Slicks selbst schon ein paar Veranstaltungen hinter sich hatten und man der Mischung die vergangene Saison deutlich ansehen konnte. Aber im Motorsport gewinnt nicht zwingend der Vorsichtigste – also Slicks drauf und raus. Zum Glück klarte das Wetter im Tagesverlauf weiter auf. Als schließlich die Sonne durchbrach und die Ideallinie abtrocknete, wusste ich: Jetzt zählt es.
Das erste Mal Vollgas – ein Gefühl zwischen Respekt und Euphorie
Ich kann viel über Zahlen schreiben, über Leistung oder Telemetriedaten – aber was ich beim ersten Fahren des Formel Renault gespürt habe, lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: Wahnsinn. Und doch ist dieser Wahnsinn nicht dort zu finden, wo man ihn als Sportfahrer vermuten würde. Die 210 PS beeindrucken – aber sie sind nicht der Kern des Erlebnisses. Der Kern liegt im extrem späten Bremsen, in der unglaublichen Einlenkpräzision und in Kurvengeschwindigkeiten, die jenseits aller bisherigen Referenzen liegen.
Ein Fahrzeug, das nur 490 Kilogramm wiegt, folgt physikalischen Regeln, die man so in keinem Tourenwagen findet. Ich merkte sofort: Hier bestimmt nicht der Motor die Runde – hier bestimmt das Vertrauen. Optimale Bedingungen erlauben mit einem Formel Renault eine 1:39er-Runde in Hockenheim – ein Wert, der eine Einfahrtgeschwindigkeit von über 170 km/h in die Mobil-1-Kurve voraussetzt. Doch an diesem 3. August 2025 sollten diese Referenzen ungenutzt bleiben. Die alten Reifen boten nicht mehr das nötige Vertrauen, und ein Fehler im Schaltprogramm, der eine Maximaldrehzahl von lediglich 5500 U/min zuließ, bremste das Potenzial zusätzlich ein. Trotzdem sammelte ich Runde um Runde, absorbierte Eindrücke, passte mich an und lernte mehr als in jedem Trackday der vergangenen Jahre.
Ein Ausblick: Das Abenteuer hat erst begonnen
Was bleibt nun nach dem ersten Einsatz? Vor allem eine neue Art von Motivation. Der Formel Renault verlangt nicht nur nach Fahrkönnen, sondern nach Respekt, Präzision und Vertrauen in die Technik. Die kommenden Veranstaltungen stehen bereits im Kalender, und mit frischen Reifen sowie einem korrigierten Schaltprogramm wird das Potenzial des Fahrzeugs sicher ein ganz anderes Gesicht zeigen. Ich bin gespannt, welche Zeit am Ende auf dem Display stehen wird – doch noch gespannter bin ich darauf, wie sich das Fah-
ren anfühlen wird, wenn ich den Wagen wirklich ans Limit bringen kann.
Vielleicht hat mein Vereinskamerad wirklich recht gehabt: „Wenn du einmal mit so etwas gefahren bist, steigst du nicht mehr um“. In mir klingt dieser Satz jedenfalls nach jedem Kilometer lauter.
Dank an den Pistenclub
Zum Schluss bleibt mir nur eines: Danke an den Pistenclub – für die gewohnt professionelle Organisation, für reibungslose Abläufe und für ein Umfeld, in dem sich Fahrer aller Leistungsniveaus weiterentwickeln können. Es gibt wohl kaum einen besseren Ort für den ersten echten Schritt in eine neue Motorsportwelt.
-
Szilárd VargaAutor
Wir bedanken uns für den Bericht und belohnen diesen mit einem Trackday-Gutschein. Bist Du auch an einer Veröffentlichung in unserem Clubmagazin und auf unserer Webseite interessiert und möchtest dafür einen Gutschein erhalten? Dann schicke Deinen Vorschlag einfach per Mail an
.Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
EN
IT
FR 
